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Jüdischer Friedhof in Dolní Lukavice
(Unter-Lukawitz) bei Pilsen

Im Jahre 1714 umfasste die ganze Herrschaft Dolní Lukavice 19 Dörfer und drei Domänen. Es lebten dort 41 jüdische Familien mit 246 Angehörigen. Die Herrschaft war im Besitze des Grafen Ferdinand Mathäus von Morzin.

Die jüdische Besiedlung in Dolní  Lukavice bestand schon am Anfang des 17. Jh. Die jüdische Glaubensgemeinde existierte bereits am Anfang des 18. Jh. (wird jedoch wahrscheinlich älter gewesen sein). Aufgehoben wurde sie am Ende des 19. Jh. Die erste Synagoge brannte im Jahre 1849 aus, die zweite wurde in ein Wohnhaus umgebaut.
Einige Hundert Meter von den letzten Häuschen von Dolní Lukavice entfernt, in Richtung Lišice, befindet sich der jüdische Friedhof, welcher 1654, auf einem steilen, schwer zugänglichen Hang angelegt wurde. Warum? Aufgrund der religiösen Bestimmung über die Absicherung der Gräber ihrer Vorfahren auf ewige Zeiten bemühten sich die Juden bei der Anlage ihrer Friedhöfe um einen ewigen Besitz des vom Inhaber oder der Gemeinde zu erwerbenden Grundstückes. Für dieses Privileg mussten sie beträchtliche Summen entrichten, für die sie nur minderwertigen Grund und Boden erwarben, der sich für keine andere Nutzung eignete. Dies ist der Grund, warum wir die alten jüdischen Friedhöfe oft an steilen Hängen, auf Hügelgipfeln, die schwer zugänglich sind, vorfinden.

Židovský hřbitovŽidovský hřbitov  Židovský hřbitov

Um die Gräber vor Entweihung und Beschädigung zu schützen, wurden die Friedhöfe von einer hohen Steinmauer umgeben und mit einem Tor abgeschlossen, das oft die Form eines kleinen Häuschens zeigte, das auf kleinen Dorffriedhöfen auch als Leichenhaus benutzt wurde. Hier wurde der Leichnam aufbewahrt, wenn das Begräbnis nicht am Todestag selbst vorgenommen werden konnte. Den verstorbenen Juden zog man nach der von der Beerdigungsbrüderschaft durchgeführten Reinigung ein Totenhemd aus reinem Leinen an. Anschließend wurde er in einen einfachen, schmucklosen Holzsarg gelegt. Dadurch wurde die Gleichheit aller im Tode hervorgehoben.

In Dolní Lukavice bestand eine relativ zahlreiche jüdische Religionsgemeinde. Im Jahre 1849 dürften hier wenigstens sieben jüdische Familien gelebt haben: Adler, Strauss, genannt Schleml, Barkus, Paradeis, genannt Švihovský, Trauer, Meuml und Rebe. Das älteste lesbare Grabmal stammt aus dem Jahre 1711. Bestattet wurde hier bis zum Anfang des 20. Jh. An einigen Grabsteinen sind Symbole menschlicher Tätigkeiten und Berufe zu sehen. Das symbolische Händepaar bedeutet, dass hier ein Kohen, ein Nachkomme des ersten Großpriesters Aron bestattet ist. Die Grabsteine waren für gewöhnlich das Werk christlicher Steinmetze. Den Juden war es, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht gestattet, dieses Kunsthandwerk auszuüben. Sie bestimmten aber über die symbolischen Details des Schmuckes. An dem Inschriftenteil nahmen jüdische Schreiber und Graveure  (Stecher) teil. Die späteren Grabsteine sind aus Marmor und erinnern an die Grabmale des benachbarten kommunalen Friedhofes.
In der Zeit meiner Kindheit war der jüdische Friedhof eine Art Tabu. Für uns Kinder war er ein geheimnisvoller, mysteriöser Ort. Ich habe ihn nie betreten. Gegenwärtig gibt es in Böhmen an die 150 "älteste Friedhöfe", die vor der bürgerlichen Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung, d.h. bis zur Mitte des 19. Jh., angelegt worden waren. Die nächstgelegenen jüdischen Friedhöfe befinden sich in Merklin, in Spálené Poříčí, Štěnovice und in Švihov (Schmihof, Bezirk Podersam).

Jeder rechtgläubige Jude möchte im Lande seiner Väter bestattet sein. Deshalb ist es Brauch, unter das Haupt des Verstorbenen einen Beutel mit ein bisschen palästinensischer Erde zu legen oder wenigstens sein Antlitz damit zu bestreuen. Gewöhnlich sind jüdische Gräber so situiert, dass bei der Auferstehung, wenn sich jeder Verstorbene aufrichtet, mit dem Antlitz gegen Jerusalem gekehrt wird….

Euch allen, die hier auf dem Friedhof in D. L. für ewig schlaft - Schalom.