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Dolní Lukavice

        1615 schloss das Dorf Jáchym Loubský von Luby und auf Řenče zu seinem Besitz an. Der nahm in den Jahren 1618 bis 1620 an Ständenaufstand teil. Obwohl er zum Anheimfallen des Halbvermögens bestraft wurde, ist er daraus, dank des Betrugs, ohne Beeinträchtigung, es ist ihm zwar gelungen die Königskammer davon zu überzeugen, dass Schulden von Grundbesitzen mehr betragen als die Strafe selbst. Er besass die Dörfer Horní und Dolní Lukavice, Lišice, Háje, Osek, Libakovice, Plevňov, Knije, Krasavce, verheeertes Dorf Lomy,   Snopoušov und Vodokrty mit einem Hof und einen Teil von Předenice.

 

          Seit 1623 änderten sich viele Besitzer aus bis 1651, wenn man beim Verkauf des Grundbesitzes Herrn Oto Jiří von Helverson auf Tasňovice und Racovy auf damaligen Betrug gekommen war und die Königskammer verordnete alles zu verkaufen um alle Schäden zu vergüten. Kaiser Leopold I. schenkte 1662 seine Rechte zum Grundbesitz dem Grafen František Albrecht Harrach, der Horní sowie Dolní Lukavice und Řenč umgehend verkaufte Karel Leopold dem Grafen Caretto - Millesimo. Dadurch waren die Dörfer schon im Jahre 1666 Pavel, dem Grafen von Mozin verkauft. Sein Sohn Ferdinand Matěj besass ausser der Herrschaft Dolní Lukavice auch Seč, 1712 verbreitete er die Erbschaft ums Dorf Chlumčany und 1717 noch um Letiny. 1708 liess Ferdinad Morzin das alte baufällige Fort niederreissen und berief den Pilsner Architekten Jakub Auguston Jr. einen repräsentativen Sitz hier zu erbauen. Dadurch entstand in Dolní Lukavice ein Dreiflügelschloss mit einem hufeisenförmigen Grundriss. 1730 wurde im Ostflügel die St.-Johann Nepomuk-Kapelle beendet, aud deren Gewölbe eine hochwertige illusive Freske "Apotheose des St. Johann Nepomuks" vom Pilsner Maler František Julius Lux beschaffen wurde. Die Freske war damals ein sehr fortschrittliches   Werk, denn sie der Bemühung der Tschechen um Heiligsprechen entsprach. Der Hauptaltar mit Figurenverzierung ist dann ein Werk Lazar Widmanns (auch Widemanns). Die Altarstatuen stellen weitere zwei meist bekanntesten tschechischen Heiligen dar   – St. Václav und Vojtěch in Überlebensgrösse, die zugleich Widemanns Werk sind. Auf der Südseite des Schlosses erstreckt sich ein ausgedehnter Park, der in der ersten Hälfte des 18. Jhs gemäss dem Plan von Jan Ferdinand Schor entstand. Von der Statuenverzierung des Prks aus der Werkstätte Ondřej Filip Quittainers erhielten sich leider nur Fragmente.

 

          Zu den Vorlieben der Morzin-Familie gehörte auch Musik. Ferdinand und sein Sohn Karel Josef František waren besonders bedeutende Mäzene der Musikkomponisten. Sie hatten sogar eigene Kapelle mit 16 Musiker. Der bedeutendste darunter war zweifellos Josef Haydn, über dessen Tätigkeit als ein Kapellmeister vermutet man immerfort. Voraussetzlich konnte es jedoch im Zwischenzeitraum 1757 und 1761 gewesen sein. Er komponierte hier seine erste Sinfonie, s.g. Lukavická, die jedoch auch nicht genau datiert ist.

 

         Graf Karel Josef František Morzin verkaufte 1780 die vereinigte Herrschaft von Lukavice dem Grafen Karel Bedřich von Hatzfeld, von ihm wurde sie dann 1794 vom Grafen Hugo Damian von Schönborn abgekauft, und daraus wurde 1811 Fideikommiss beschaffen (Vermögen, das der Gründer fürs Geschlecht durch Bestimmung über Unveräusserlichkeit und Erbfolge absichert) für die dritte Schönbornslinie. Die Herrschaft bestand damals aus drei Grundbesitzen, d.h. Dolní Lukavice mit 18 Dörfern, Přeštice und Žehrovice mit 3 Dörfern und Příchovice mit 6 Dörfern.

 

          Der letzte Grundbesitzer war Herr Veverka, der besass ihn seit Mitte der 20er   des 20. Jhs bis 1945, wenn die Herrschaft zum Staat fiel, denn darauf Dekret des Presidenten Beneš Nr.12 bezog. Im Zeitraum des Komunismus war hier ein psychiatrische und antialkoholische Heilanstalt, später dann Sanitätsmateriallager. Nun ist hier Teil der Depositen des Westböhmischen Museums auf die Dauer dessen Umbau angebracht.

  

          Ausser dem schon erwähnten Schloss weitere bedeutenden Denkmäler von Dolní Lukavice schliessen noch St. Peter und Paul-Kirche, das zu Haydns Zeiten, wie auch heute, Produktionsort des Schlossmusikkörpers gewesen sein soll. Es handelt sich um einen kleinen gothischen Bau aus der 2. Hälfte des 13. Jhs, der im Höchstbarock im Jahre 1722, also unter der Regierung Ferdinanda Matyáše Morzins umgebaut wurde. Die St.-Johann Nepomuk-Statue kommt vom Jahre 1714 her und im Nordteil des Dorfplatzes gibt es auf der Säule die Statue Ecce Homo vom Jahre 1741. Merkwürdig ist auch der im 15. Jh. gegründete Judenfriedhof, der sich beim Wege nach Lišice befindet. Auch das Zweiflügel-Barockgebäude mit einem Mansardendach und Nummer 133 ist erwähnungswert, es handelt sich um einstige Brauerei aus dem 18. Jh.